“Free Prayer Here!”: 3 Fehler in einer evangelistischen Begegnung

by BJ on July 31, 2012

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Ein Freund von mir bietet Gebet für vorbeigehende Passanten  jeden letzten Sonntag im Monat direkt vor unserem Kirchengebäude. Er hat ein Banner, auf dem steht: “Free Prayer Here” Ich bin letzten Sonntag dazugestoßen.

Es ist schwierig für mich auf Fremde einfach so zu zu gehen. Aber als ich durch Gebet und dem Zusehen von meinem mutigen Freund aufgewärmt war, ging ich auf ein junges Pärchen zu und fragte sie, ob sie “kostenloses Gebet” haben wollen würden.

“Ist es nicht immer umsonst?” fragte der Mann.

“Nun, normalerweise kostet es etwas, aber heute ist es umsonst” sagt ich witzelnd. “Natürlich ist es umsonst.” Allein das Wort bringt Aufmerksamkeit von Leuten.

“Ich glaube an Gott, aber ich glaube nicht, dass man dafür in die Kirche gehen muss.” sagte die Frau.

“Das glaube ich übrigens auch,” antwortete ich.

“Ja, aber ich glaube nicht, dass irgendjemand wissen kann, wer er ist.” sagte sie. Und dann sehr ausdrucksvoll: “ Du weißt nicht, wer er ist.”

Was für eine Herausforderung! Aber in meiner Reaktion darauf machte ich 3 taktische Fehler.

3 taktische Fehler

1) Ich vergaß die Königin aller taktischen Fragen: “Was meinst du damit?”

Oder besser: “Was meinst du genau mit ‘Wissen’?”

Ich aber biss an und nahm den Platz in der Verteidigung ein. Ich begann über den Anspruch von Jesus selbst zu reden, dass er Gott sei, und da er von den Toten auferstanden sei, sollten wir seinen Anspruch ernst nehmen.

Sie aber entgegnete mit einer anderen Herausforderung: “Nun ja, das ist nur ein Mythos. Und die Bibel ist nur eine Kopie von einer Kopie von einer Kopie.”

Ich konnte einigermaßen überzeugend klarmachen, dass die Evangelien keine Mythen sind, aber ich hätte die Last der Beweisführung auf ihre Schultern legen sollen, indem ich am Anfang die Frage stellte: “Was meinst du mit ‘Wissen’?”

Höchstwahrscheinlich hätte sie nicht gewußt, was es heißt, etwas zu wissen oder zu kennen. Dies hätte den Spieß umgedreht, wie Jesus es getan hat, als er herausgefordert wurde (Mk 11:27-33). Dies hätte wahrscheinlich einen Stein in ihrem Schuh hinterlassen (Was einen Stein in den Schuh zu legen heißt, beschribe ich in meinem Eintrag: Mr. Bean nach seiner Begegnung mit der Wahrheit).

2) Ich versuchte zu überzeugen, anstatt erst zu zerrütten

Eine Weltanschauung zu zerrütten oder umzustürzen, heißt, sie instabil werden zu lassen. Und jemand, der das Gefühl hat, sein Glaubenssystem werde labil, wird anfangen zu zweifeln und sich für Wahrheit und Überzeugen öffnen.

Der Unterschied zwischen einer Grundhaltung von Debatte und Neugierde ist, dass der Debatierer keinen Grund hat und haben wird, seine Glaubenseinstellung mit einer neuen zu ersetzen. Eine offenere Person wird ihre Glaubenshaltung locker in der Hand halten.

Wenn einmal eine Offenheit da ist, kann das Überzeugen beginnen. Jesus behält seine Abgrenzung als die Pharisäer seine Autorität anzweifeln. Er weigert sich, sie zu überzeugen, solange ihre Ansichten nicht unterminiert waren. Also fragte er sie folgendes:

“Ich will euch eine Gegenfrage stellen,” erwiderte Jesus. “Wenn ihr mir darauf antwortet, werde ich euch sagen, woher ich die Vollmacht habe, so zu handeln. Die Taufe des Johannes – woher stammte sie? Vom Himmel oder von Menschen?” (Mt. 21:24-25b, NGÜ)

Sie antworteten ihm nicht auf diese subversive Frage, also versuchte er sie auch nicht von seinen Gründen für seine Autorität zu überzeugen.

Diese Frau hielt noch an ihrer Ansicht fest, dass keiner wissen kann, wer Gott ist. Also hatte mein Versuch sie davon zu überzeugen, dass die Evangelien keine Mythen, sondern zuverlässige Quellen für Jesus’ Leben sind, keine große Chance ihren Glauben zu ersetzen.

3) Ich sprach nicht ihre Vorstellungskraft an

Die Frau von dem zuschauenden Mann war ein wenig streitlustig. Also zusätzlich zu der Frage: “Was verstehst Du unter ‘Wissen’, hätte ich eine Geschichte oder Analogie erzählen sollen, um die argumentativen Tendenzen in der kurzen Konversation zu neutralisieren.

Anwälte sind Experten im debattieren. Als Jesus also von einem Gesetzesexperten angesprochen wurde, erwarteten die Zuschauer eine unendliche Diskussion. Jesus aber erzählte eine Geschichte, die wir unter dem “Barmherzigen Samariter” kennen (Lk 10:25-37).

Indem Jesus dies tat, war er dazu fähig, “sich an diesen wachsamen Drachen vorbei zu stehlen” wie C.S. Lewis es ausdrückt.(“Sometimes Fairy Stories May Say Best What’s To Be Said” [1st pub. Nov 1956], Of Other Worlds [1966], mein Partnerlink).

Geschichten können die Boxhandschuhe senken, weil man durch sie die Hintertür der Vorstellungskraft eintritt. — Hier klicken um zu twittern

Das Gespräch war nicht schlecht. Der Mann hörte intensiv zu und ich entließ die beiden aus dem Gespräch mit der Überlegung:

“Wenn ihr nach der wahren Religion sucht, wäre Jesus ein guter Anfangspunkt. Denn alle anderen Religionen wollen Jesus in ihrem Team haben. Der Islam z.B. bezieht sich im Koran auf Jesus. Also warum nicht mit der Religion anfangen, die Jesus in den Mittelpunkt stellt? … Es war nett, sich mit euch zu unterhalten. Habt noch einen restlichen schönen Tag…”

Tipps für Glaubensgespräche:

  1. Sei bereit, die Königin aller Fragen zu benutzen, wenn Du in einem evangelistischen Gespräch involviert bist: “Was meinst Du damit?” oder eine Variation davon. Sie zwingt dich dazu zuzuhören, und es hält die Last der Beweisführung auf der Seite der anderen Person.
  2. Versuche nicht jemanden zu überzeugen, wenn er dogmatisch ist, sondern versuche seinen Glauben zu zerrütten. Offenheit geht nur der Bereitschaft voraus, einige Glaubensansichten aufzugeben. Destabilisiere ihren Glauben, indem Du eine Stein in ihren Schuh legst.
  3. Entgegne debattieren mit Imagination, nicht mit direkten Argumenten. Jesus war ein Meister im Gebrauch von Parabeln und Bildern. Christen sollten dies auch sein. Ein hilfreiches Buch dazu ist The God Conversation  (Partnerlink) von J.P. Moreland and Tim Muehlhoff.  Es beantwortet schwierige Herausforderungen mit modernen Analogien und Geschichten.

Was sind einige von Deinen Fehlern, die Du zuletzt in Glaubensgesprächen gemacht hast?

  • http://www.organischegemeinde.de David

    Cooler Post, BJ.
    Ich hätte vermutlich einfach geantwortet (wenn ich gut drauf bin, sonst mache ich vielleicht auch ähnliche Fehler wie du): Kann ich nicht, ich hab nur persönlich Jesus erfahren. Erfahren, dass er gut zu mir ist, dass er mich liebt und dass er heilt. Gibt es irgendwas, für das ich beten kann? Wenn Jesus bei euch etwas heilt oder das Gebet beantwortet, könnt ihr dann ja selber sehen, ob Jesus real ist.
    Aber du weißt ja schon, dass ich nicht so auf das Argumentieren stehe. Jesu Name stehen auf dem Spiel, lassen wir ihn sich doch selbst repräsentieren.
    LG aus Bergedorf!
    David

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    BJ Lee Reply:

    Danke, David, für das Kompliment und Deinen Beitrag. Ich wieß, dass Du nicht so auf Argumentieren stehst. Aber nur zu klären, was Du meinst:

    Meinst Du “argumentativ zu sien”? Oder das Benutzen von Gründen um auf eine Schlußfolgerung zu kommen?

    Aber für mich eine wichtigere Frage: Wie bist Du auf Deine Antwort gekommen? Und warum hältst Du das als Deine idealste Reaktion zu so einem Gespräch?

    LG aus Eidelstedt-Schnelsen,
    BJ

    [Reply]

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